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Einleitung
Die folgende Arbeit wird sich mit einigen Aspekten der vielfach als
afrobrasilianisch bezeichneten Religionen Brasiliens auseinandersetzen. Der/die
LeserIn mag sich fragen, aus welchem Grunde ich im Titel nicht von
afrobrasilianischer Religion spreche. Der Grund hierfür liegt in der von
verschiedenen Autoren angemerkten Tatsache, daß in den heute real anzutreffenden
Kultgruppen vor allem der Umbanda, aber auch anderer synkretistisch geprägter
Neureligionen in Brasilien, eine religiöse Vorstellungswelt und Kultpraxis
anzutreffen ist, die zwar deutliche kulturelle Wurzeln in Afrika aufweist, aber
genauso spiritistische, indigen-stammesreligiös/schamanistische,
volkskatholische, esoterische und wie etwa im Fall der Ayahuasca-Kulte,
neugnostische Elemente zur Verschmelzung bringt. Nicht immer steht dabei das
afrikanische Erbe im Vordergrund. Vielmehr sind Kultgruppen anzutreffen, die den
einzelnen Elementen unterschiedliche Gewichtung verleihen. "Umbanda. ist der
religiöse Aspekt brasilianischer Kultur in ihren verschiedenen Schattierungen (Figge,
1980: 9)." Ich halte es daher für praktikabel, in erster Linie von
synkretistischen Neureligionen zu sprechen. Verbindenes Element dieser
Neureligionen scheint vor allem das Phänomen `Spiritpossession/Geistverkörperung´
darzustellen. Es sollen zunächst zwei der religionshistorischen Wurzeln – die
afrikanische Yoruba-Religion und der Spiritismus - dieser Religionen beleuchtet
werden, um dann eine kurze Einführung in die populärsten dieser Bewegungen zu
liefern. Aus Gründen des Umfangs dieser Arbeit kann ich leider nicht auf die
weiteren Einflüße der Kulte u.a. im Volkskatholizismus und den Praktiken der
indigenen Naturvölker Südamerikas eingehen. Im Anschluß folgt eine Darstellung
der wissenschaftlichen Aufarbeitung und Theoriebildung zur Geistbesessenheit.
Sozialhistorische Hintergründe und Ursprünge
Es war am 22. April des Jahres 1500, als der portugiesische Seefahrer Alvares
Cabral an der Küste des heutigen Brasilien anlegte. Das Land wurde später nach
dem pau brasil – Brasilholz – benannt, einem der ersten Reichtum versprechenden
Rohstoffe des Landes, dessen roter Farbstoff in Europa sehr beliebt war. Im
Jahre 1533 unternahm die portuguiesische Krone die ersten nachhaltigen
Anstrengungen zu einer Kolonisation des Landes. Ab 1550 gelangten
Einwandergruppen verschiedenster Herkunft – Missionare, Abenteurer und Adelige –
ins Land. Wahrscheinlich ist auch seit dieser Zeit die Deportation afrikanischer
Sklaven nach Brasilien gesetzlich genehmigt gewesen (Koch-Weser 1976: 71). Die
Einfuhr der afrikanischen Sklaven begann, weil sich der Einsatz von versklavten
Indios aus verschiedenen Gründen als unzureichend erwies. Es setzte auch früh
ein Protest gegen die Versklavung von Indios ein. Bis zur endgültigen Abolition
des Sklavenhandels im Jahre 1888 wurden wahrscheinlich 3 – 4 Millionen Afrikaner
nach Brasilien deportiert. Es gibt auch Schätzungen, die von wesentlich größeren
Zahlen ausgehen (ebd.: 75). Größere Kontingente von Sklaven des Yoruba Volkes
gingen vermutlich vor allem nach 1770 in Brasilien an Land (ebd. 78).
Grundzüge der afrikanischen Yoruba- Religion
Vor allem die Kunstschätze der Ife-Benin Kultur und die einstmalige weite
Ausdehnung des Oyo-Reiches weckte bei abendländischen Forschern das Interesse an
der Kultur der Yoruba. Ich kann an dieser Stelle nicht auf die zahlreichen
bemerkenswerten Aspekte der Yoruba-Kultur eingehen, sondern konzentriere mich
auf einen allgemein gehaltenen, kurzen Abriß ihrer Religion.
Die Religion der Yoruba teilt einige Charakteristika mit den übrigen
afrikanischen Religionen. Es wird berichtet, daß diesen Religionen eine
Ausrichtung auf die Gesellschaft, und weniger auf das Individuum gemeinsam ist.
Weiterhin gäbe es keine Trennung zwischen profanen und sakralen Lebensbereichen.
Allgemein wird von einem höchsten Wesen/Gott ausgegangen, der bei einigen
Stämmen kultisch verehrt wird, bei anderen als der Menschenwelt zu entrückt
vorgestellt wird, als daß er sich ihrer Belange annehmen würde (Koch-Weser,
1976: 27). Nahezu alle afrikanischen Stämme schreiben dem Kult der Verstorbenen
eine zentrale religiöse Bedeutung zu. Diese Verehrung verschafft den Ahnen die
Möglichkeit, weiter an den Riten der Gemeinschaft teilzuhaben, gleichsam eine
Form ewigen Lebens zu erlangen. Eine Nachkommenschaft zu besitzen ist daher für
den Nachtod Zustand von entscheidener Bedeutung.
Im Pantheon der Yoruba wird Olorun/Oludumare als das oberste, allen anderen
Gottheiten vorausgehende Wesen gedacht. Sein Name bedeutet Himmelsbesitzer, der
jenseits des Himmels wohnt. Bei den Yoruba gilt Olorun meist als den Menschen zu
weit entrücktes Wesen, als daß diese sich direkt an ihn wenden könnten. Er wird
nicht personifiziert, doch wird er durch die Zuschreibung bestimmter
Eigenschaften charakterisiert. Es gibt keinen regelmäßigen Kult des Olorun,
keine ihm geweihten Opfer, Tempel oder Priester.
Eine indirekte Verehrung des höchsten Wesens erfolgt durch den Kult der Orixas,
welche als Aspekte der Natur Oloruns betrachtet werden. Die Angaben über die
Anzahl der Orixas schwanken von 201 bis zu 1700. Die Welt der Orixas entspricht
der der Menschen. Sie werden als hierarchisch geordnet und einander verwandt
aufgefaßt. Weiterhin werden die Orixas mit Naturphänomenen in Zusammenhang
gebracht. Vielen der Orixas wird die Ehre eines eigenen Rituals zuteil.
Von den vielen Orixas der Yoruba sind im brasilianischen Candomble nur relativ
wenige in Erinnerung geblieben, geschweige denn der entsprechenden Riten der
Gottheiten. Verehrung finden heute vor allem noch die Figuren des
Yorubapantheons, denen schon in Afrika eine überregionale Bedeutung zukam. Es
ist vielfach darauf hingewiesen worden, daß die Veröffentlichungen von
Wissenschaftlern bspw. über den Yorubapantheon auch von den Kultchefs rezipiert
werden, und dadurch möglicherweise Erneuerungstendenzen in den Kulten ausgelöst
werden, um sich den traditionellen afrikanischen Riten und Mythen anzunähern.
Daher "(...) besteht für Afrikanisten in Brasilien die Gefahr, daß sie für
natürliches Gewächs ansehen, was sie vor nicht allzu langer Zeit selbst gesät
haben" (Figge, 1973:26).
Die Orixas haben sowohl in der Umbanda als auch im Candomble eine zentrale
Bedeutung. Nach Figge gibt es in der Umbanda Inkorporationsmedien für neun
Orixas. Diese sind: Oxala, Ogum, Yemanja, Exu, Ianca, Nana Buruque, Oxosse,
Xango und Oxum (ebd.:36ff.).
Neben dem Kult der Orixas hat sich auch ein Teil der traditionellen
yorubanischen Orakeltechniken in Brasilien erhalten.
Spiritismus und Kardecismus
Besessenheitskulte sind kein Phänomen, welches auf fremde Kulturen beschränkt
wäre. Auch in der europäischen Kulturgeschichte kam (und kommt) es immer wieder
zu Fällen von Geistbesessenheit. Im neuzeitlichen Europa wurde diese
Ausdrucksform religiösen Erlebens vor allem im Spiritismus rituell und doktrinär
formalisiert. Dieser Spiritismus entwickelte sich zur Zeit der Aufklärung als
eine "Bewegung außerhalb von Theologie und Kirche und verstand sich als
Gegensatz sowohl zum säkularisierten materialistischen Denken als auch zu einem
dogmatisierten und institutionalisierten christlichen Glauben"
(Wulfhorst,1985:21).
Die Ausbildung des europäischen Spiritismus ist mit dem schwedischen Visionär
Emanuel Swedenborg (1688-1772) verbunden, wenngleich er selbst nicht als Gründer
einer Bewegung in Erscheinung tritt. Der universalgelehrte Sohn eines
lutheranischen Bischofs entwickelte im Alter von 56 Jahren nach einer schweren
Krise spontan die Fähigkeit zu einer unmittelbaren Schau der Geistwelt. In der
Folge beschrieb Swedenborg detailiert seine Visionen und die von ihm
wahrgenommene Natur der himmlischen Sphären. Er entwickelte eine Lehre der
Entsprechungen zwischen Geist- und Naturwelt (Goodman:1991:61). Neben Engeln und
Geistern traf Swedenborg in der Geistwelt auch auf "viele Personen meiner
Bekanntschaft aus den verschiedensten Gesellschaftsschichten" (ebd.), gleichsam
Totengeister also. Im Gegensatz zum späteren Spiritismus deutete Swedenborg
seine Erfahrungen vielfach im Sinne einer orthodoxen protestantischen Theologie.
Wahrscheinlich geht die Urform der späteren spiritistischen Seance auf den
österreichischen Arzt Franz Anton Mesmer (1733-1815) zurück, der im Rahmen
seiner als Mesmerismus bekannten – damals ungeheuer populären - Fluidallehre mit
ähnlichen Methoden experimentierte (ebd.:63). Für den damals noch jugendlichen
Andrew Jackson Davis aus dem amerikanischen Bundesstaat New York, hatte die
Begegnung mit einem den Mesmerismus auf Jahrmärkten praktizierenden Quacksalber
weitreichende Folgen. Durch einen mittels Hypnose induzierten Trancezustand war
er daraufhin angeblich zu einer Vielzahl magisch-psychischer Fähigkeiten in der
Lage, wie dem Sehen in andere Körper oder dem Lesen von Briefen mit verbundenen
Augen etc., aber auch zu Seelenreisen wie sie vielfach von Schamanen berichtet
werden. Aus der Trance heraus diktierte Davis 1847 ein Buch, welches sehr
populär werden sollte. Einer der wesentlichen Auslöser der Massenwirkung des
Spiritismus waren dann wohl sensationelle Zeitungsberichte, die kurz nach der
Veröffentlichung von Davis Buch über die Fox-Schwestern und den Klopfgeist von
Hydesvilleerschienen. Die Nachrichten von tanzenden Tischen und dergleichen
erreichen noch im selben Jahr Frankreich und dann Deutschland, die Schweiz und
England. Überall entstanden spiritistische Zirkel.
Der brasilianische Spiritismus erhielt seine besondere Prägung durch die Lehren
des unter seinem Pseudonym Allan Kardec bekannten französischen Lehrers und
Literaten Leon H. D. Rivail (1804 – 1869). Kardec besuchte als katholischer
Schüler die Schule Pestalozzis im evangelischen Yverdon (Schweiz). Im Jahre 1854
kam er, wie vor ihm auch Davis, in Kontakt mit dem Mesmerismus. Daraufhin
widmete er sich ausschließlich der empirischen Erforschung spiritistischer
Erscheinungen, überprüfte kritisch die Ergebnisse und veröffentlichte 1857 "Le
Livre des Esprits", eine systematische Darlegung der "Lehre der Geister". Auf
über 1000 Fragen der Medien antworten die Geister mit Einsichten über die
Beschaffenheit der Geistwelt, ihre Beziehungen zur irdischen Welt etc. . Vor
allem in seinem 1864 erschienen Buch "L´Evangile selon le Spiritsme" bringt
Kardec spiritistische Interpretationen des Neuen Testaments. Zusammen mit
Kardecs zweiter Veröffentlichung, "Le Livre des Mediums" bilden diese Bücher für
die brasilianischen Spiritisten den Kanon des Spiritismus als dritte Offenbarung
nach Moses und Jesus Christus (Wulfhorst: 25). Soziologische Analysen u. a. von
Bastide haben ergeben, daß der Kardecismus in Brasilien zunächst vor allem in
Kreisen von Intellektuellen und hohen Militärs praktiziert wurde, bevor er zur
Religion der brasilianischen Mittelschicht avancierte. Der erste offizielle
brasilianische Spiritistenzirkel kardecistischer Prägung hielt 1865 in Salvador
seine erste Sitzung ab (ebd.:27). Es gab jedoch schon vor dem Einströmen der
Ideen Kardecs geistige Strömungen ähnlicher Couleur innerhalb der Volksreligion
Brasiliens. So spricht ein von zwei reisenden deutschen Biologen verfasster
Bericht aus dem Jahre 1818, von einer vollzogenen Heilung an einem Schwarzen
mittels der Methode der magnetischen Passes, die von F.A.Mesmer gelehrt wurde.
Um 1873 entstand in Rio de Janeiro ein Zirkel, dessen Seancen auf die Heilung
von Kranken und Leidenden durch das Geben von Passes fokussiert waren. Der
brasilianische Kardecismus zeigt schon hier seine starke moralische und
evolutionistische Grundbeschaffenheit. Zugrunde liegen sowohl ein Einfluß
religiöser Konzepte, die der indischen Wiedergeburtslehre entspringen, als auch
eine spezifische Auslegung der Bibel, insbesondere des Dekalogs und der
Bergpredigt. Der brasilianische Spiritismus versteht sich zu weiten Teilen als
christlicher Spiritismus (espiritismo cristao). Er ist in einer
Dachorganisation, der "Federacao Espirita Brasileira (FEB)" zusammengeschlossen
(Wulfhorst: 27), die die Lehre Kardecs als kanonische Kodifikation des
brasilianischen Spiritismus vorschreibt. Der Wahlspruch dieser Organisation
lautet "Gott, Christus und Karitas". Ausdruck dieser Betonung der christlichen
Nächstenliebe findet sich etwa in den zahlreichen karitatven Institutionen der
Spiritisten, auf die sicher auch ein hohes Maß der Popularität des Kardecismus
in Brasilien zurückgeht.
Eine Auswahl der Kulttypen: Umbanda und Candomble
Umbanda/Macumba/Quimbanda
Unter der Bezeichnung Macumba versteht man heute neureligiöse Bewegungen, deren
Ursprünge vor allem in Rio de Janeiro und etwas später auch in Sao Paulo zu
finden sind. Der Kult speiste sich vor allem aus Praktiken und Vorstellungen,
die ihren Ursprung bei den Gebräuchen von afrikanischen Stämmen aus der
Bantu-Sprachfamilie hatten, die in erster Linie in Angola, dem Kongo und
Mozambique an der Ostküste zu Hause waren. Der Macumba-Kult war das Ergebnis
einer vorausgehenden intraafrikanischen Religionsvermischung, die sich aus den
großen Bevölkerungsverschiebungen im Brasilien des 18. und 19 Jhd. ergab. Nach
der Abolition des Sklavenhandels kommt es zum Einzug zahlreicher ehemaliger
Sklaven vor allem aus Minas Gerais in die nahen Städte Sao Paulo und Rio de
Janeiro (Wulfhorst, 1985: 53). Hier kam es zum Einfließen religiöser
Ausdrucksformen der Yoruba (in Brasilien Nago genannt), etwa des Orixa-Pantheons,
in die Tradition der Bantus.
In den Städten kommt es auch zur Begegnung mit dem kardecistischen Spiritismus,
möglicherweise, wie Wulfhorst (ebd.) anmerkt, auf Grund der Affinität der
ahnenkultischen Vorstellungen der Afrikaner zur spiritistischen
Konzeptionalisierung der Beziehungen zur Geisterwelt der Verstorbenen. Wie auch
im Candomble fließt der Volkskatholizismus in den Kult ein, deren Heilige in
Analogie zu den Orixas betrachtet werden, wenngleich katholische Heilige nicht
inkorporieren.
Offensichtlich geht der Macumba Kult anfang der vierziger Jahre fließend in den
Umbanda Kult über, der erstmals 1939 als offizielle Vereinigung auf den Plan
tritt. Wulfhorst stellt fest, daß es " (...) religionshistorisch nachgewiesen
ist, daß Umbanda als Fortsetzung und Weiterführung afrobrasilianischer Kulte in
Rio de Janeiro entstanden ist. Sie waren generell unter dem Namen Macumba
bekannt, aber wurden wissenschaftlich nicht eingehend untersucht. "Macumba" wird
noch heute irreführender Weise als Synonym für "Schwarze Magie" gebraucht"
(1985:). Ebenfalls im Sinne von Kulten, die sich schwarzer Magie verschrieben
haben, wird von Quimbanda gesprochen. Figge weist auf die faktische Inexistenz
dieses Kultes hin. Er sei ein Konstrukt bzw. eine Zuschreibung an bestimmte
Kultgruppen, die als spiritueller Gegenspieler eine Funktion in der Umbanda
ausfüllen. Allenfalls stelle Quimbanda eine Kultvariante innerhalb der Umbanda
Gruppen dar, die durch die Verschiedenartigkeit der angerufenen Geister
charakterisiert sei (Figge, 1973: 127).
Die Kultstätte der Umbanda wird terreiro, was soviel wie Hinterhof bedeutet,
genannt, wohl weil sie ursprünglich (und häufig auch noch heute) mit der Wohnung
des Kultchefs verknüpft war. Nicht selten finden bestimmte Umbanda Rituale auch
im Freien statt, gar auf Wegkreuzungen und Friedhöfen (ohne das dieses notwendig
etwas mit schwarzer Magie zu tun hätte). Zentraler Punkt der Umbanda Kultstätte
ist ein stufenförmiger Altar, der fast vollständig mit Statuetten von kath.
Heiligen, Preto velhos, Caboclos, Orixas etc. vollgestellt ist. Weiterhin finden
sich Blumen, Kerzen, Glöckchen, Heilkräuter, Kreiden, Bilder von Kultchefs,
Pfeifen und Zigarren etc.. Im allgemeinen ist der Altar dem Orixa Oxala geweiht.
Oftmals gibt es Nebenaltäre für andere Orixas (Figge, 1973: 67). Die Altäre sind
vorne fast immer mit weißen Spitzentüchern verhängt, die die als besonders
heilig geltenden Fetische der einzelnen Gottheiten und Geister verbergen. Diese
Fetische können ebenfalls Statuetten, aber auch Steine, Muscheln oder Tonkelche
sein.
Die rituellen Zeremonien der Umbanda-Gruppen werden Sessao oder auch Gira
(Runde) genannt. Es gibt verschiedene Typen von Sessaos, etwa die Sessao da
Caridade, in der es jedem Anwesenden möglich ist, sich mit einem persönlichen
Anliegen an die verkörperten Geister zuwenden, bzw. sich behandeln zu lassen.
Weiterhin werden Festsessionen zu Ehren bestimmter Gottheiten oder Geister
abgehalten. Auch besondere Sessionen zur Schulung von Medien gehören zum
Repertoire eines Terreiros. Den Ablauf einer Umbanda-Session beschreibt im
Detail etwa Figge (1973:71ff.). Im Verlauf des Rituals kommt es zur Verkörperung
spezifischer Geistwesen. Dies sind z. B die Caboclos, die in der Regel als die
Geister verstorbener Indianer betrachtet werden. Weiterhin ist die Inkorporation
von Preto velhos - alten Schwarzen - und Criancas, Kindergeistern,
charakteristisch. Als Gottheiten gelten die yorubanischen Orixas. Diese werden
in Kultstätten die eine stärkere Affinität zum Candomble aufweisen, als
Naturgottheiten, kosmische Irradiationen o. dgl. betrachtet. In den der Macumba
verpflichteten Traditionen gelten sie laut Figge (1973:37) eher als Totengeister
einer hohen Vervollkommnungsstufe oder auch als Geisterführer. Ich vermute, daß
in dieser Sichtweise der Orixas auch ein spiritistischer Einfluß seinen
Niederschlag findet.
Die Geister werden gerufen, indem spezifische Lieder gesungen werden, die von
Trommeln und/oder Händeklatschen begleitet werden. Eine Inkorporation kündigt
sich durch konvulsive Zuckungen der Medien an. Ist der Geist eingefahren, gibt
er sich durch spezifische Grußgesten, Grußrufe und Körperhaltungen zu erkennen.
Der Geist erhält dann seine typischen Insignien, Caboclos z. B. werden mit einer
Zigarre, vielleicht einem Federschmuck, einer Indianerwaffe etc. ausgestattet.
Die gerufenen Wesenheiten werden von speziell dazu ausgebildeten Medien
verkörpert, die im Vorfeld auf die Verkörperung einer bestimmten
Geisterkategorie hin ausgebildet wurden. Typisch für inkorporierte Geister ist
das Geben von Passes. Unter Passes werden verschiedene Praktiken verstanden, die
dazu benutzt werden, um negative Fluiden aus dem Körper der Gläubigen zu
entfernen. Dazu verwenden die Medien/Geister mit den Händen ausgeführte
symmetrische Striche an verschiedenen Körperteilen entlang, um so die Fluiden
aufzunehmen und anschließend zu entladen (ebd.: 113).
Candomble
Mit der Typisierung Candomble wird vornehmlich afrobrasilianische Religiösität
bezeichnet, die einen direkten Bezug bzw. eine starke Affinität zu traditionalen
Kultformen der Yoruba- Religion zum Ausdruck bringt, und nur in geringem Ausmaß
von fremdkulturellen Vorstellungen durchdrungen wurde. Auch beim Candomble wird
von einem Synkretismus gesprochen, da bspw. eine Identifikation christl. kath.
Heiliger mit den Orixas stattfindet. In wie weit hier ursprünglich ein "echter"
Synkretismus vorliegt, ist umstritten. Diente die Übernahme der Heiligen oder
des katholischen Festkalenders in erster Linie pragmatischen Erwägungen und der
Tarnung der häufig willkürlich von der Polizei verfolgten Kulte, oder ist die
Vermischung Ausdruck religiöser Verehrung der christlichen Elemente? Pollak-Eltz
(1995: 151) stellt fest, daß die grundlegenden afrikanischen Praktiken und
Vorstellungen im Candomble nicht durch die christlichen Elemente berührt werden.
Wenn die Adepten von den santos (Heiligen) sprechen, wisse jeder, daß im Grunde
von den Orixas die Rede sei. Figge spricht deshalb im Hinblick auf die Umbanda
anstatt von einer Identifikation mit christlichen Elementen vorsichtiger von
einer Liierung (Figge 1973: 37) .
Der älteste heute noch bestehende Candomble-Tempel wurde bereits 1830 gegründet.
Die traditionellen terreiros werden vornehmlich von weiblichen Priesterinnen
(Mae de santo) geleitet. Im Zentrum eines Terreiros befindet sich der
Zentralpfosten, ein Symbol der Vereinigung von Himmel und Erde, um den sich die
Tänzer stets im umgekehrten Uhrzeigersinn herum bewegen. Es herrscht der Glaube,
daß die Orixas an diesem Pfosten heruntersteigen, bevor sie in die Medien
fahren. Weiterhin finden sich an den Wänden oder auch in Nischen des heiligen
Raumes Altäre, die mit heiligen Symbolen des Kultes versehen sind.
Spiritpossession als zentrales Forschungsproblem in den brasilianischen
Neureligionen
Trance und Spiritpossession
Trancezustände sind ein nahezu universales Phänomen, wie man seit den viel
zitierten statistischen Erhebungen der Anthropologin Erika Bourgignon weiss.
Form und Inhalt der Trance wird offensichtlich von zweierlei Komponenten, einer
neurophysiologischen und einer kulturellen, determiniert. Der Terminus Trance
hat in der Forschungsgeschichte und natürlich auch im alltagssprachlichen
Gebrauch uneinheitliche Verwendung gefunden, und wurde allgemein auf
verschiedene Phänomene angewendet, die unter dem Oberbegriff "veränderte
Bewußtseinszustände" gefasst werden können. Insbesondere wird das Wort Trance
häufig benutzt, um Bewußtseinszustände des Typs Ekstase zu bezeichnen. Vielfach
wird der Begriff auch benutzt, vor allem umgangssprachlich, um Zustände
emotionaler Ergriffenheit oder der Selbstvergessenheit anzudeuten. Mir geht es
hier um die Form der Trance, die auch religiöse Trance oder rituelle Trance
genannt wird. In den brasilianischen Religionen, von denen hier die Rede ist,
wird diese rituell eingeleitete Trance von einem Phänomen begleitet, welches von
den die Trance ausübenden Individuen und der Kongregation der Gläubigen als die
Einkehr eines Geistwesens in den physischen Körper eines Mediums gedeutet und
erfahren wird. Besessenheit ist im westlichen Kulturkreis ein eher seltenes oder
obskures Phänomen, dem mit Skepsis oder Unbehagen begegnet wird. Hier ist man
nicht von Geistern besessen, sondern von Vorstellungen bzw. Ideen,
Konsumwünschen, sexuellen Fantasien und dergleichen. Die dämonische Besessenheit
ist ein Thema von Hollywood, ebenso wie durch Voodoo Zauber gelenkte Zombies.
Rituell erzeugte und kontrollierte Besessenheit, um die es hier geht, wird außer
in einigen religiösen Bewegungen nicht angestrebt.
Schon Platon unternahm eine Systematisierung verschiedener Formen der Trance. Im
Phaedrus spricht er von mania, einem Wort, welches vielfach als Wahnsinn oder
Raserei übersetzt wird, von Platon aber in einem Kontext gebraucht wird, der auf
Trancephänomene verweist. Platon unterscheidet zwei Formen von mania. Eine die
aus menschlichen Krankheiten hervorgeht, und eine, deren Ursache ein göttlicher
Zustand (theias exallages) ist. Von dieser göttlichen mania gäbe es vier
Varianten, die jeweils von einer bestimmten Gottheit inspiriert seien: mantische
(Apollo), die zur Divination führt, poetische (Die Musen), erotische (Eros und
Aphrodite) und telestische (telestike) Trance (Dionysus). Die mit dem Gott der
Rauschdrogen verbundene Trance wird als telestisch beschrieben, was bedeutet,
sie beinhalte teletai (Riten), gleichsam rituelle Trance. Nirgends in Platos
Schriften findet sich ein genauer Hinweis, was er unter diesen teletai versteht,
aber er läßt uns zumindest Wissen, dass sie, was auch sonst, mit Opfern, Tanz
und Musik zu tun haben (Rouget 1985:189). Gilbert Rouget versucht zu begründen,
dass die telestische Trance eine Bezeichnung für spiritpossession ist
(ebd.:196).
Trance und Besessenheit durch ein Geistwesen, was auch immer sich ontologisch
dahinter verbergen mag, sind verschiedene Erscheinungen, die nicht notwendig
korreliert sind. Zwar tauchen sie beide häufig, jedoch längst nicht immer,
zusammen auf. Aber Trance erscheint uns als ein Typ veränderter
Wirklichkeitswahrnehmung, während Besessenheit in erster Linie das erlebende
Subjekt in seinem Identitätserleben und Handeln, sein in Beziehungtreten zur
Umwelt verändert, ohne daß notwendig das Erleben der Grundbeschaffenheit der
Welt tangiert sein muß.
Taucht die Trance in einem religiösen Zusammenhang auf, scheint sie sich vor
allem in der Matrix des Schamanismus und des Spiritpossession-Kults zu
repräsentieren. Im Schamanismus benutzt der Schamane verschiedene Techniken, um
sich in einen Zustand veränderten Bewußtseins zu begeben, in dem er dann auch in
der Lage ist, bewußt zu agieren. Die Techniken des Schamanen können die Einnahme
entheogener Pflanzen, rhythmische Stimulation (z.B. mittels Trommel oder
Rassel), Tanz etc. beinhalten. Faktisch treffen wir meist auf Kombinationen
mehrerer dieser Techniken der Tranceinduktion. Konstitutiv für den Schamanismus
ist weiterhin, dass die Trance einerseits dazu führt, daß der Schamane befähigt
wird, eine Durchdringung der physischen Welt mit der Geisterwelt zu erkennen
bzw. wahrzunehmen, und daß er zweitens in der Lage ist, die Welt der Geister zu
besuchen und in ihr Handlungen auszuführen. Nichtsdergleichen begegnet uns in
der Besessenheitstrance. Diese Trance wird ebenfalls vielfach durch Musik und
Tanz, aber auch durch andere rituelle Handlungen ausgelöst. Im Gegensatz zur
schamanischen Trance ist aber jenes sich im Zustand der Besessenheit befindliche
Individuum im allgemeinen nicht mehr zu einer bewußten Interaktion mit seiner
Umwelt in der Lage. Vielmehr tritt das Individuum ganz oder partiell hinter eine
spirituelle Entität (oder Identität) zurück, die nun die Kontrolle des
physischen Körpers übernimmt, über dessen Vermittlung das Numinose in die
materielle Welt einkehrt. Spiritpossession Trance erlaubt also den Eintritt von
Geistwesen in die sinnlich wahrnehmbare Welt, während die schamanische Trance
genau das Gegenteil bezweckt, den Austritt aus der Sinnenwelt bzw. die
Geistwerdung des Schamanen. Es ist zwar vielfach von Schamanen berichtet worden,
die spezifische Hilfsgeister anrufen, sich innerhalb ihres Körpers zu
manifestieren, zu keinem Zeitpunkt gibt der Schamane jedoch die Kontrolle über
sich, und ich vermute auch seine Hilfsgeister, auf. Es ist jedoch klar, daß in
der religiösen Lebenswirklichkeit alle möglichen Misch- und Übergangsformen
zwischen Possession und Schamanismus auftreten können. Es ist auch noch
anzumerken, daß es meines Wissens keine eindeutigen Untersuchungen gibt, die
beweisen würden, daß es sich bei der schamanischen Trance und bei der Possession
Trance um die gleichen Bewußtseinszustände handelt, die jediglich kulturell eine
andere Ausformung bzw. Konfiguration erhalten, oder ob nicht bereits, was ich
vermute, neurophysiologische Unterschiede zwischen den beiden Zuständen zu
registrieren sind. Im folgenden möchte ich mich jedoch auf die
Besessenheitstrance konzentrieren, da sie in den afrobrasilianischen Religionen
so zentral erscheint. Es muß auch die Frage gestellt werden, inwieweit
Besessenheit überhaupt notwendig mit einer Trance verbunden ist bzw. sein muß,
ob nicht vielmehr den entscheidenden Einfluß die psychologische Identifikation
mit einer bestimmten Geistrolle darstellt, bei der es gleich ist, ob sie über
Trance oder andere Techniken erreicht wird. Weiterhin erscheint mir die Frage
relevant, ob und inwieweit Besessenheitspänomene, die außerhalb eines rituellen
Kontexts in Erscheinung treten, mit den hier thematisierten analog zu denken
sind. Diese Fragen können im Rahmen dieser Arbeit jedoch nicht umfassend
vertieft werden. Zunächst ein forschungsgeschichtlicher Abriß dessen, was die
Wissenschaft bisher zum Thema beigetragen hat.
Eine Bestandsaufnahme der Forschung
Als einer der ersten, der sich dem Phänomen systematisch näherte, gilt der
brasilianische Arzt Nina Rodrigues, der bereits 1900 in seiner Untersuchung "L´animisme
Fetichiste de Negres de Bahia" zu dem von aufklärerischen Ethos getragenen
Schluß gelangt: "Aus dem, was ich gehört habe, den Fällen, die ich beobachtet
habe, den Untersuchungen, die ich durchgeführt habe, muß ich schließen, daß die
fetischistischen Orakel oder die Besessenheit durch Heilige nichts weiter sind
als somnabulistische Zustände mit Spaltung und Ersetzung der Persönlichkeit"
(zitiert bei Figge 1973:220). Auch Hysterie wird den Kultanhängern bescheinigt.
Hier taucht schon früh eine Interpretation der religiösen Erscheinungen im
Rahmen eines Vokabulars von psychologischen Krankheitsetiketten auf. Diese
Tradition wird von Roxo und Faria weitergeführt, die zu der Einschätzung
gelangen, man habe es mit einem "Spiritisten-Delirium" zu tun (Wulfhorst:13).
Laut Roxo sei der Spiritismus der Candombles als Quelle des Wahnsinns zu
verurteilen (Figge 1973:222). Faria stellt scharfsinnig fest (zitiert nach Figge
1973:221): "Zweifellos ist das, was man in den Zusammenkünften der
Geisterinkorporation tut, (...) nichts anderes als Autohypnose." Die These von
der Hypnose wird von Akstein aufgegriffen, der durch Übernahme der in den Kulten
geübten Tranceinduktionsmethoden eine neuartige Therapieform entwickeln will
(ebd.). Bereits Rodrigues unternahm den Versuch, ein Medium des Candomble Kults,
eine junge Frau namens Fausta, zu hypnotisieren. Er suggerierte ihr, sie befände
sich in der Kultstätte, und höre die Rufgesänge der Orixas. Dann sagte er ihr,
sie würde "in den Heiligen fallen". Die Frau wankte nun in der kultüblichen
Weise und stieß den Erkennungsruf ihres Orixas aus. Bei ihrem Namen gerufen
sagte sie, sie sei nicht Fausta, sondern Oubatala, Fausta sei nur das Pferd. Es
gelang Rodrigues nicht, den Orixa weiter zu beeinflußen. Vielmehr übernahm
Oubatala die Gesprächsführung und belehrte den Forscher in religösen Fragen. Um
den Zustand Faustas beenden zu können, blieb Rodrigues nichts anderes übrig, als
die Gottheit zu fragen, was er tun könne, damit er sich aus dem Medium
zurückziehe. Er sollte dem Pferd ein Glas Wasser zu trinken geben, was dann auch
zum Erwachen Faustas führte ( Figge 1973: 229).
In Jahre 1940 lehnt A. Ramos die Erklärungsansätze von Rodrigues etc. ab, die er
als der Komplexität der zu beobachtenden Phänomene nicht angemessen erachtet.
Trotzdem gelangt auch er zu dem Ergebnis, es mit pathologischen Zuständen zu tun
zu haben. "Die spiritistisch-fetischistische Besessenheit" sei mit verschiedenen
krankhaften Zuständen verbunden, die Ramos als "Hysterie, Bewegungssturm,
Totstellreflex, hyponoische, magisch-katathyme Denkformen wie sie bei
somnambulischen, hypnotischen, traumhaften, schizophrenen Zuständen aufträten",
und weiter als "dämonopathische und mediumnopathische Störungen die mit dem
mentalen Automatismus" verbunden seien und von "einfachen xenopathischen
Phänomenen bis zu den komplexeren Beeinflussungsdelirien" reichten (ebd.:221).
In der Folge kommt der Amerikaner M.J. Herskovits, der vor allem Mythen heutiger
Yoruba Stämme untersucht hatte, zu der Auffassung, es handle sich bei der
Besessenheit um bedingte Reflexe. Es erfolge eine kollektive Autohypnose. Der
Psychiater Ribeiro nimmt 1956 diesen Ansatz auf, und entwickelt die These, die
Trance sei bei psychisch entsprechend veranlagten Personen eine Technik zur
Lösung von persönlicher und sozialer Spannung und Aggression (Wulfhorst:14).
Hier tritt offensichtlich erstmals das Paradigma der Pathologie hinter einem
Ansatz zurück, der die sozial- und psychohygienischen Aspekte der
Besessenheitstrance hervorhebt. Das Problem bei diesen Ansatz liegt jedoch
darin, daß die Heranziehung der Hypnose zur Erklärung von Trance in etwa dem
Versuch gleicht, einen Spatzen als einen Sperling zu beschreiben. Denn die
Hypnose ist eine Technik, deren Mechanismen bis zum heutigen Tage nicht
zufriedenstellend erklärt werden konnten.
Unter einem soziologischen Gesichtspunkt versucht der brasilianische Forscher
deCamargo sich dem Problem zu nähern, indem er, wie auch Ribeiro, die Funktion
der Besessenheit fokussiert. Er sieht in den Besessenheitskulten einen sozialen
Integrationsfaktor, der vor allem die Möglichkeit einer Kompensation für die
Entbehrungen in der oftmals trostlosen brasilianischen Alltagswirklichkeit
vieler Anhänger bereit hält. "Bescheidene Beamte, unterwürfige Hausangestellte,
verwandeln sich plötzlich in Träger erlauchter Geister, Überbringer erlauchter
Botschaften" (zitiert bei Wulfhorst:12). Auch die Mitglieder höherer sozialer
Schichten fänden Trost und Sinn in einer Lehre, die eine Geisterwelt zur
Wahrheit und den Alltag zur Scheinwelt gehörig erkennt.
Horst Figge erkennt 1973, daß die pathologisierenden Theorien zur Besessenheit
vollkomen übersehen, daß diese normalerweise bei geistig im allgemeinen intakten
Persönlichkeiten auftritt, und daß das Phänomen im Regelfall zeitlich begrenzt
vorliegt, wobei Anfang und Ende der Besessenheit steuerbar sind. Auch das
Hypnose Konzept tauge nicht viel zur Erhellung der Frage der
Geisterinkorporation: "Denn für den Gläubigen, der einen Geist durch seinen
eigenen Mund sprechen hört oder der nach einer Inkorporation von Dingen hört,
die ein Geist, völlig ohne sein eigenes Wissen, durch seinen Körper getan hat,
kann es völlig gleichgültig sein, ob er dabei unter Hypnose stand oder sich in
einem irgendwie anders gearteten Zustand befand" (Figge 1973: 223). Figge ist
der Auffassung, daß das eigentliche Phänomen der Besessenheit nicht notwendig
mit einem Trancezustand verbunden sei. Vielmehr sei das signifikante Moment der
Besessenheit das Einnehmen einer erlernten Geistrolle. Jeder Mensch verfüge über
verschiedene psychologische Rollen, die je nach situativen Kontext das Handeln
und Empfinden einer Persönlichkeit steuern. Ein Individuum kann bspw. die Rollen
einer Mutter, einer Studentin und einer Tochter ausfüllen, wobei jede dieser
Rollen zu bestimmten Verhaltensweisen rechtfertigt oder zwingt, die nicht
unbedingt auch Teil einer anderen Rolle darstellen müssen. Alle diese Rollen
eines Individuums seien jedoch Teile einer sich selbst als integer und in den
einzelnen Rollen als selbstidentisch erlebenden übergeordneten Persönlichkeit.
In dem besonderen Fall der Geistergriffenheit kommt es nun zu einem Bruch in
diesem Identitätserleben des sich selbst wahrnehmenden Subjektes: "Das gesamte
Selbsterleben kippt aus einer Gestalt in eine andere um, so daß der Gegenstand,
den der Mensch sich selbst aktuell ist, nicht als identisch mit dem erlebt wird,
den er sich vorher war" (Figge 1973:238). Die Besessenheit besteht also nicht in
einem spezifischen Trancezustand, sondern in Rollenverhalten, gleichsam dem
Einnehmen einer Geistrolle. Die Trance dient laut Figge in erster Linie zur
Schwächung bzw. Ausschaltung der Primärpersönlichkeit, um dann eine
Sekundärpersönlichkeit aufbauen zu können. Um der Gefahr eines plötzlichen
Umkippens von der Primär zur Sekundärpersönlichkeit oder umgekehrt vorzubeugen,
würden die Geistrollen von bestimmten Leitstimuli begleitet, die einem Medium
anzeigen, in welchem Persönlichkeitsmodus es sich gerade befindet. Zu diesen
Leitstimuli gehören etwa bestimmte Haltungen des Körpers, der Finger und der
Hände, in denen sich eine intensive propriozeptive Reizung ergibt, aber auch die
speziellen Handlungen und Accessoires, die zu einer Geistrolle gehören
(ebd.:270). Laut Figge dienten bestimmte Leitstimuli auch zur Verhinderung einer
Inkorporation, wenn ein Medium im Augenblick keine Geistrolle einnehmen soll. Es
ist für den Kultablauf und für das persönliche Leben eines Mediums von immenser
Bedeutung, daß nicht an unpassenden Orten und Zeiten eine Geistrolle die
Bewußtseinsdominanz erlangt. Figge lehnt deshalb auch die Theorie ab, der
Inkorporationsvorgang sei von konditionierten Stimuli abhängig. Dann solch eine
automatisierte Kopplung trüge die Gefahr, die Besessenheit auch außerhalb des
rituellen Settings auszulösen.
Den Aufbau einer Sekundärpersönlichkeit bezeichnet Figge als eine Form der
Sozialisation. Unter Sozialisation wird in der Sozialpsychologie der,
vornehmlich aber nicht nur in der Kindheit stattfindende, Aufbau einer
Persönlichkeit verstanden, die sich im Rahmen einer bestimmten Selbstkonzeption
so verhält, daß es für ein durchschnittliches Gegenüber vorhersagbar ist und den
geltenden Normen entspricht. Der Aufbau einer Geistrolle in der Umbanda erfolgt
in den Entwicklungssessionen. Jedem potentiellen Medium ist im Vorfeld seiner
Ausbildung bekannt, wie das in Zukunft auch von ihm erwartete typische Verhalten
eines Caboclos, eines alten Schwarzen oder eines Exu Geistes aussieht. In den
Entwicklungssessionen wird das Medium in einen Trancezustand gebracht, der das
erlernen einer neuen Rolle erleichtert. Offenbar sind in der Trance Widerstände
und Selbstbild geschwächt, so daß der Aufbau einer Sekundärpersönlichkeit
leichter durchfürbar ist. Die Ausbilder und Gehilfen müssen nun dem Medium die
ersten Schritte innerhalb der neuen Geistrolle beibringen. Das Medium wird etwa
gestützt, ein wenig hin- und hergeführt. Sollten sich Bewegungsformen zeigen,
die nicht kompatibel zu einer Geistrolle sind, wird das Medium korrigiert. Zeigt
das Medium schließlich ein Verhalten, oft zunächst zögernd, das an eine
Geistverkörperung bspw. eines Caboclo gemahnt, wird die Rolle verstärkt, indem
die Helfer dem Geist etwa eine Zigarre anrauchen und dann aushändigen, und auch
ansonsten dem Medium/Geist gegenübertreten, wie es eines Caboclos würdig
erscheint. Dieser allmähliche Prozess des Aufbaus einer Geistrolle wird
schließlich auch von den passiven Umbandisten verstärkend geprägt, die sich den
das Verhalten eines inkoporierten Geistes zeigenden Medien so nähern, wie es
einem Geist einer bestimmten Klasse gebührt, vornehmlich mit großer Ehrerbietung
und Anerkennung der Autorität. Die gemeinhin mit einer Inkorporation verbundene
Amnesie ist keine Gedächtnisstörung, was daraus hervor geht, daß ein sich in
Geistrolle befindliches Medium sich durchaus an vorangehende Ereignisse, die vor
dieser Geistrolle erlebt wurden, erinnern kann. Das Erinnerungsvermögen scheint
zustands- bzw. rollenspezifisch bedingt zu sein. In der Umbanda herrscht die
Auffassung, daß die Seele des Mediums während der Anwesenheit eines Geistes
abwesend aus dem Körper ist, und daher auch keine Erinnerung für die
Besessenheit vorliegen kann. Das Vergessen ist also impliziter Bestandteil der
autosuggestiven Vorstellung der Natur der erlernten Geistrolle. Figge (ebd.:280)
hält fest, daß dieser Umstand für die pastorale Seite der Umbanda von großer
Bedeutung ist; denn sie garantiert den Gläubigen eine Art Beichtgeheimnis.
Andererseits befreit die Amnesie auch das Medium von jeglicher persönlichen
Verantwortung für die unzähligen Hilfesuchenden im Anschluß an eine Session.
Laut Figge sei auch ungeklärt, wie häufig tatsächlich eine Amnesie bei den
Medien vorläge. Die Amnesie sei in erster Linie von den Gläubigen als eine Art
beruflicher Schweigepflicht gefordert und daher ein Idealfall. Trotzdem ist die
Bewußtheit der Medien während der Verkörperung offenbar kein seltenes Ereignis.
Figges rollentheoretischer Ansatz zur Erhellung der Geistbesessenheit in den
afrobrasilianischen Kulten, scheint einen schlüssigen Ansatz für die Erklärung
der zu beobachtenden Phänomene zu liefern. Forschungshypothesen aus den
kognitiven Neurowissenschaften liefern Daten über die Funktionsweise des
menschlichen Gehirns, die die Dissoziation des Bewußtseins als ein durchaus
normales Element der Bewußtseinsorganisation des Menschen kennzeichnen. Der
Kognitionspsychologe H. Gardner geht davon aus, daß im Gehirn multiple
Intelligenzen (mathematisch, linguistisch, räumliche etc.) existieren –
Subprogramme des Bewußtseins – die zusammen das Phänomen konstituieren, welches
wir Bewußtsein nennen (Mizrach:12). Eine ähnliche Auffassung vertritt der
KI-Forscher Marvin Minsky. Laut Minsky instrumentalisiert das Gehirn Subpersona,
um auf verschiedene soziale Situationen zu reagieren. Diese Subpersona können
auf verschiedene Art und Weise handeln, trotzdem hat das handelnde Subjekt den
Eindruck einer ununterbrochenen Identität des Verhaltenskern. Offensichtlich
erhält hier eine Metaebene des Bewußtseins ein Kontinuitätsempfinden aufrecht.
C. G. Jung war der Auffassung, daß zu gewissen Zeiten die bewußte Persona eines
Individuums durch Gestalten eines hypothetischen kollektiven Unbewußten außer
Kraft gesetzt, ja von diesen besessen werden kann. Maya Deren (1970) vermeint,
Übereinstimmungen zwischen den Loa des haitanischen Voodoo Kults und den
jungschen Archetypen auszumachen.
Figge sah Spiritpossession nicht in erster Linie als einen Zustand veränderten
Bewußtseins, sondern als das Einnehmen einer kulturell vorgeformten Geistrolle.
Die Forschungen akzentuierten in der Folgezeit jedoch eine andere
Betrachtungsweise. Der Ansatz von Figge würde die Geistbesessenheit wie sie in
manchen Fällen spontan aufzutreten mag, als ein grundlegend von der kultischen
Besessenheit verschiedenes Phänomen charakterisieren. Denn spontane Besessenheit
kann nicht erlernt sein. Es sei denn, sie ist selbst Teil des soziokulturell
erzeugten Feldes möglichen Verhaltens einer Person. Es ist hier jedoch nicht der
Raum, um diese Diskussion zu vertiefen.
Die Anthropologin Erika Bourgignon brachte den Fokus der Diskussion wieder auf
die ASC-Thematik. Bourgignon erkannte, daß Trance und auch Formen von
Spiritpossession universal verbreitete Phänomene sind, die in fast allen
Kulturen der Welt in Erscheinung treten. Unterschiede scheint es dabei in erster
Linie in der Form zu geben, wie eine Kultur mit diesen Erscheinungen umgeht,
welcher Platz ihnen zugewiesen wird. Die Besessenheit kann in religiösen
Kontexten verschiedene kultische und lebenspraktische Funktionen ausfüllen, wie
etwa bei den Yoruba. Sie kann auch generell als dämonischer Eingriff einer
imaginären bösen Macht wie dem Teufel gedeutet werden, wie im orthodoxen und
katholischen Christentum. Denkbar ist auch, daß die Bessesenheit als Krankheit
oder Wahnsinn gedeutet und entsprechend gehandhabt wird, oder ein Psychologe
vermutet unkontrollierte, lange unterdrückte Triebenergien des Unbewußten am
Werke. Wie auch immer, Bourgignon geht davon aus, daß unabhängig von der
Vielfalt der kulturellen Variationen der Geistbessesenheit, ein
neurophysiologosches Substrat zu finden sein müsste, welches dem Phänomen
universal zugrunde liegt. Die Gründe dafür, daß Forscher wie Bourgignon Thesen
wie die von Figge verwarfen, lagen in dem Umstand vor, daß etwa im haitanischen
Voodoo-Kult nicht jedes von Geistern ergriffene "Pferd" eine Ausbildung erhält
(wie in der von Figge untersuchten Umbanda), sondern daß auch ungeübte Personen-
häufig gegen ihren Willen - in Trance fallen und Geister verkörpern (Mizrach:
2). Während der 70er Jahre wurde auch der hypnagoge Zustand, unter anderem von
Bourgignon und Sheila Walker, erneut herangezogen, um Spiritpossessionphänomene
besser zu verstehen. Besonders das charakteristische Vorliegen einer Amnesie im
Hinblick auf das Erlebte bei beiden Zuständen führte zum erneuten Rückgriff auf
die Hypnose Analogie. Weitere Analogien bestehen in einer erhöhten Resistenz
gegen Schmerzen und dem manchmal offensichtlich vorliegenden ungewöhnlichen
Körperkräften.
Eher obskure Ansätze der Erklärung vermuten, daß es sich bei der
Geistbessesenheit um eine Form der Epilepsie handelt, oder daß Mangelernährung
zu neurologischen Dysfunktionen führt (Mizrach: 12). Es versteht sich von
selbst, daß tausende Medien der Umbanda und anderer Besessenheitsreligionen
nicht allesamt mangelernährt sind, und Spiritpossession sowohl bei nachweislich
nicht epileptischen Personen und auch bei bestens ernährten Menschen in
Erscheinung tritt.
Nicht unerwähnt lassen möchte ich den Forschungsbeitrag von Felicitas Goodman.
Wenngleich sie in erster Linie eine spezielle Variante der Besessenheit, die von
den Anhängern der Pfingst-Bewegung als Zeichen der Einkehr des Heiligen Geistes
gedeutete Glossolalie untersuchte, die nicht direkt unser Thema betrifft.
Goodman registrierte, daß die physische Phänomenologie der Medien in
Glossolalie-Trance und anderen Possessionvarianten wenig Unterschiede
aufzuweisen schien. Insbesondere fielen ihr gerötete und verzerrte Gesichter,
starke Transpiration, Tränen- und Speichelfluß auf (Goodman 1991: 33). Von
diesen laut Goodman transkulturellen Konstanten der Glossolalie und auch der
Besessenheit schließt die Forscherin auf eine beiden Phänomenen zugrundeliegende
spezifische Form der Trance. Goodman nennt diese Form der Trance auch Ekstase
(ebd.), was meines Erachtens nicht ohne weiteres möglich ist und eher zur
Verwirrung der eh schon von den Forschern mit wenig Feingefühl und Klarheit
verwendeten Terminologie veränderter Bewußtseinszustände beiträgt. Ekstase im
engeren und religiösen Sinne bezeichnet natürlich eine bewußte Erfahrung, welche
die Empfindung des Heraustretens aus der gewöhnlichen Matrix der raumzeitl. und
somatopsychischen Bezogenheit in einen diese transzendierenden Erlebnismodus
beinhaltet. Im Falle der Besessenheit ist nicht Bewußtheit sondern Amnesie die
Regel (ebenfalls bei den Pfingstlern), noch berichten Medien, sollten sie sich
doch erinnern können, von psychedelischen Verzückungen, Grenzüberschreitungen
oder anderen ozeanisch-mystischen Inhalten. Ekstatische Erlebnisse treten in
Besessenheitskulten wenn überhaupt nur als unbeabsichtigte Nebenerscheinung auf,
die weder angestrebt noch gepflegt werden (siehe Figge 1973: 281. Figge hat hier
jedoch selbst einen zweifelhaften Ekstasebegriff.) Wie soll auch ein Medium, das
sich auf einem Trip befindet, der ihr den seelenerschütternden Eindruck der
Begegnung mit dem Glanz jenseitiger Welten, Gottheiten, unio mystica und
dergleichen beschert, sich noch mit den Belangen etwa eines Hausmütterchens
beschäftigen, das z.B einen Zauber erbittet, damit ihre jüngste Tochter eine
gute Partie bei der Hochzeit macht? Dies ist wenn überhaupt Schamanen
überlassen, Spezialisten des Außerkörperlichen. Goodman wirft all dies in einen
Topf. Obwohl ihr die Unterschiede zwischen Schamanismus, Mystik, Trance und
Besessenheit bekannt sein müssen. Vermutlich will sie das potentielle Klientel
ihrer Rasselkurse nicht durch eine allzu komplexe und pedantische Terminologie
verschrecken.
Es soll nicht vergessen werden, hier auf die Parallelen hinzuweisen, die die
Besessenheit durch Geister zum klinischen Erscheinungsbild der multiplen
Persönlichkeit, einer dissoziativen Störung, aufweist. Bei dieser
Persönlichkeitsveränderung, in der sich zu verschiedenen Zeiten offensichtlich
verschiedene Persönlichkeiten in einem Organismus die Bewußtseinsdominanz
verschaffen, kündigt sich laut Goodman der Wechsel von einer Persönlichkeit zur
anderen durch Symptome an, die Ähnlichkeit zur Trance aufweisen. Goodman spricht
von verschiedenen "Gehirnkarten", die entsprechend der gegenwärtig dominanten
Persönlichkeit aktiv sind. Patienten, die multiple Persönlichkeiten beherbergen,
wurden offenbar häufig in der Kindheit mißbraucht. Davon ausgehend vermutet
Goodman eine natürliche und vererbbare Begabung einiger Individuen, variable
Persönlichkeitsmuster im Gehirn aktivieren zu können. Diese natürliche Begabung
sei in den religiösen Besessenheitskulten kontrollierbar institutionalisiert
worden. Nachdem in der westlichen Kultur spätestens seit der Aufklärung keine
kulturelle Verwendung für in diesem Sinne medial veranlagte Menschen mehr
besteht, rückt das Phänomen hier nur noch in den Fokus der Aufmerksamkeit, wenn
Personen durch Zufall in eine Situation kommen, die sozusagen
sekundärpersönlichkeitsinduzierend ist. Dieser Umstand ist offenbar bei starken
traumatischen Erlebnissen, wie etwa dem sexuellem Mißbrauch von Kindern gegeben.
Weiterhin natürlich auch im Umfeld von Trance, die offenbar als eine Art
Auslöser der Besessenheit dient. Dadurch, so Goodman, sei auch die Beobachtung
begründet, daß es in den siebziger Jahren zu einem starken Anstieg von Fällen
mit multipler Persönlichkeit kam. Der Aufbruch zum New Age, die vermehrte
Beschäftigung mit allen möglichen Techniken der Bewußtseinsveränderung und
entheogenen Pflanzen auch im nicht rituellen Kontext führte zu unkontrollierten
Wechsel von Persönlichkeitsmodi (Goodman 1991:131).
Ich hoffe, hiermit einen kurzen Überblick über den Problemhorizont der
Geistbesessenheit in einigen brasilanischen Kulten gegeben zu haben. Meines
Erachtens sollte das Phänomen in eine umfassende Perspektive eingebettet
betrachtet werden, die die Erscheinungen Geistwesen und Mensch interkulturell
und in verschiedenen religiösen und ästhetischen Kontexten beleuchtet und
vergleicht. Was erlebt der Schauspieler, der auf der Bühne nicht mehr das Gefühl
hat selbst zu agieren, sondern dessen Rolle ein Eigenleben entwickelt? Was sagt
uns das klinische Erscheinungsbild von Schizophrenie, Stimmen und Nachrichten
aus anderen Welten, wie verhalten sich die Entitäten, von denen Schamanen
berichten und Menschen, die das Gefühl haben, das ihre verstorbenen Ahnen bei
ihnen sind? Was ist der Geist eines Theaterstückes, und wie wirkt er im Ensemble
der Schauspieler und der Interaktion mit den Rezipienten?.Was bedeutet es ein
Sakrament in sich aufzunehmen? Warum verändern bestimmte Pflanzen unser
Bewußtsein so, dass das Gefühl entsteht, ihr Geist handele und wirke durch uns,
und nicht wir selbst?
Anmerkungen
1 Bereits 1537 verurteilte Papst Paul III in der Bulle veritas ipsa die
Versklavung von Indios, und 1566 verbot Portugal erstmals dieselbige, wenn auch
ohne Konsequenzen. Das Verbot wurde deshalb 1680 erneuert (Koch-Weser 1976: 71).
2 Die frühen Erforscher der Yoruba vermuteten ihre Urspünge in Ägypten oder gar
im griechischen Raum. Anlaß dazu gaben sowohl Mythen und Sagen der Yoruba, die
von einer Einwanderung aus dem Osten und Nordosten sprechen, als auch die
vermeintliche Ähnlichkeit des altgriechischen und yorubischen Pantheons (Koch-Weser
1976:17).
3 Es ist auch zu bemerken, daß die Kultur der Yoruba nicht einheitlich war. Sie
bildeten keine feste politische und sprachliche Einheit, und auch ihre Religion
war nicht in allen Zügen einheitlich (ebd.:31).
4 Man unterscheidet etwa 1000 afrikanische Stämme mit ihren jeweiligen
Religionen (Koch-Weser, 1976:27).
5 Auch die Auffassung, der Himmel sei eben dort, wo Olorun ist, sowie
Vorstellungen einer Omnipräsenz des Gottes sind anzutreffen (ebd..36).
6 So gilt er als Schöpfer, König, allmächtig, oberster Richter, als unsterblich,
heilig etc. (ebd.: 36).
7 Auf einer solchen Seelenreise traf Davis seiner eigenen Schilderung zufolge
u.a. auch auf den Geist Swedenborgs, der sich ihm als geistiger Führer anbot.
8 Nature´s Divine Revelations: The principles of Nature, her Divine Revelations
and a Voice to Mankind (dt.: Die Prinzipien der Natur, Leipzig 1889).
Angekündigt wurde dieses Werk als "erste klare Beschreibung der Geisterwelt und
ihrer Sphären unbelastet von den Vorurteilen und Mißverständnissen der
orthodoxen Theologie" (Goodman,1991:66).
9 In einem Bauerndorf bei Rochester/New York traten im Hause des methodistischen
Pfarrers John Fox unerklärbare Geräusche auf, die Merkmale einer
Poltergeist-Erscheinung aufwiesen. Kate Fox, die jüngste Tochter des Hauses
vollbrachte es, den Poltergeist durch Fingerschnippen zu kontrolieren. Auf jedes
ihrer Zeichen hin erfolgte ein Klopfen des Poltergeistes. Die Ereignisse im
Hydesville wurden als eine Art wissenschaftlicher Beweis für die Existenz von
Geistern betrachtet (ebd.: 68).
10 Dt.: Das Buch der Geister. Die Grundsätze der spiritistischen Lehre. Freiburg
im Brsg.: 1957.
11 In der Volkszählung von 1980 stuften sich 940.000 Brasilianer als Kardecisten
ein. 680.000 bezeichneten sich als Mitglieder afrobrasilianischer Religionen
(Wulfhorst:30). Diese zahlen sagen jedoch nichts über die tatsächliche Anzahl
praktizierender Anhänger, von denen sich zahlreiche auch oder in erster Linie
als Katholiken verstehen.
12 Es werden bestimmte Exus und Omulus angerufen.
13 Laut Figge (1973: 93) bezeichnen die Umbandisten ihre Fetische als
Assentamento –Sitz, Festsetzung -, und zwar aufgrund des negativen Beiklangs des
Wortes Fetisch.
14 Ihren Ursprung haben die Passes wahrscheinlich in Heilpraktiken des
Mesmerismus.
15 In Brasilien wurde 1823 die Religionsfreiheit zunächst nur für christliche
Religionen eingeführt. Die Trennung von Staat und Kirche erfolgte mit dem Sturz
des Kaisers 1889. 1891 wird die Religionsfreiheit rechtlich garantiert. Die
afrobrasilianischen Kulte erhielten jedoch erst 1934 den Status einer
gleichberechtigten Religion. Vorher waren sie vielfach der Staatswillkür
ausgesetzt (Wöhlcke 1969: 25).
16 siehe Bourguignon, E. (Hrsg.)1973: Religion, Altered States of Consciousness,
and Social Change. Ohio State University Press.
Bibliographie
Bastide, Roger 1978: The African Religions of Brazil. Towards a Sociology of the
Interpenetration of Civilizations. Baltimore, (frz. orig. 1960)
Deren, Maya 1970 Divine Horsemen. New York.
Figge, Horst H. 1980: Beiträge zur Kulturgeschichte Brasiliens. Unter besonderer
Berücksichtigung der Umbanda-Religion und der westafrikanischen Ewe-Sprache.
Berlin.
Figge, Horst H. 1973: Geisterkult, Besessenheit und Magie in der
Umbanda-Religion Brasiliens. Freiburg/München.
Goodman, Felicitas D. 1991: Ekstase, Besessenheit, Dämonen. Gütersloh.
Koch-Weser, Maritta R. M. 1976: Die Yoruba-Religion in Brasilien. Bonn.
Mizrach, Steve: Neurophysiological and psychological approaches to Spirit
Possession in Haiti. http//:www.clas.ufl.edu/users/seeker1/scholarly/spiritpos.htm.
Pollak-Eltz, Angelina 1995: Trommel und Trance: die afroamerikanischen
Religionen. Freiburg u. a.
Rouget, Gilbert 1985: Music and Trance: A theory of the relations between Music
and Possession. Chicago.
Wöhlcke, Manfred 1969: Analyse der afrobrasilianischen Kulte unter dem Aspekt
interethnischer Marginalität. Berlin.
Wulfhorst, Ingo 1985: Der spiritualistisch-christliche Orden. Ursprung und
Erscheinungsform einer neureligiösen Bewegung in Brasilien. Erlangen.
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